Portraits zeichnen – so geht’s

Ich gebe zu, die Überschrift dieses Posts ist vielleicht etwas provokant. Aber ich habe für mich endlich eine Methode gefunden, mit der ich annähernd realistische Portraits mit Bleistift zeichnen kann.

In den letzten Wochen habe ich mich intensiv mit dem Zeichnen von Portraits auseinander gesetzt. Dabei habe ich eine 21-Tage-Challenge gestartet und konnte diese mit einen ganz guten Ergebnis abschließen. Doch so richtig zufrieden war ich nicht, daher habe ich meine Suche fortgesetzt und ich wurde fündig.

Porträt zeichnen

In 5 Schritten zu deinem Portrait

Schritt 1: Vorlage drucken und Raster zeichnen

Im ersten Schritt suchst du dir eine Vorlage, also das Foto, welches du abmalen möchtest. Achte hier auf eine ausreichende Qualität damit du das Bild auch scharf ausdrucken kannst. Ich habe meine Bilder alle im Din A4 Format gedruckt, da ich die Bilder auch in dieser Größe gezeichnet habe. Wandle das Bild in Schwarzweiß um, da du ja auch in schwarzweiß zeichnen wirst.

Nach dem Drucken nimmst du dir ein Lineal und zeichnest ein Raster auf deine Vorlage und auf dein Zeichenpapier. Achte bitte auf einen harten Bleistift und arbeite mit schwachem Druck, vor allem auf deinem Zeichenpapier. Je doller du drückst um so eher werden die Linien im fertigen Bild noch zu sehen sein.

Die Größe des Rasters spielt keine Rolle, wichtig ist nur, das beide Raster identisch sind. Je kleiner deine Kästen um so kleinschnittiger kannst du arbeiten. Ich habe mich für ein Raster in der Breite meines Lineals entschieden (3,5 cm) und komme damit sehr gut zurecht.

Als letzten Schritt beschrifte dein Raster. Du kannst zum Beispiel von oben nach unten nummerieren und von rechts nach links Buchstaben verteilen.

Schritt 2: Skizze anlegen

Dein Raster ist fertig und bereit für deine Skizze. Mit Skizze meine ich in diesem Fall die Outline des Portraits. Gibt dem Gesicht eine Form. Mir fällt es am einfachsten wenn ich die Linie, die das Gesicht bildet, Kästchen für Kästchen nachzeichne. 

Wenn deine Vorlage also das Kinn in Kästchen 8C hat, dann gehe auf deinem Zeichenpapier ebenfalls zum Kästchen 8C und übertrage hier die Linie so genau wie möglich. Durch die kleinen Kästchen die du vorgezeichnet hast lässt sich das eigentlich auch ganz gut umsetzen.

So arbeitest du dich jetzt einmal um das Portrait. Ich beginne eigentlich immer mit der Außenlinie um schon mal die Gesichtsform zu haben. Dann zeichne ich noch den Hals, evtl. das Oberteil und die Haare ein. 

Augen, Nase & Co erarbeite ich mir im nächsten Schritt. Es ist sehr wichtig hier so exakt wie möglich zu arbeiten, da genau diese Formen dem Gesicht einen Wiedererkennungswert geben.

Schritt 3: Eckpunkte messen

Kommen wir zu Augen, Mund und Nase. Suche dir einige markante Punkte im Bild. Das können zum Beispiel der Ansatz des Scheitels, der Mittelpunkt des Kinns, die Innenseiten der Augen und die Spitze der Nase sein. Ich habe mich hier nicht lumpen lassen und bei allen Portraits folgende Punkte markiert:

  • Scheitelansatz
  • Augeninnen- und -außenseiten
  • Beginn und Ende der Augenbrauen
  • linker und rechter Nasenflügel
  • oberste und unterste Stelle der Lippen
  • Mittelpunkt des Kinns
  • Punkt an dem der Hals das Gesichts kreuzt
  • wenn zu sehen: oberer und unterer Punkt des Ohrs

All diese Punkte habe ich in der Vorlage markiert und sie dann mit dem Lineal vermessen. Dank deiner Beschriftung am Anfang kannst du nun zum Beispiel zum Kästchen 4C gehen um die Markierungspunkte des linken Auges zu messen. Du arbeitest also immer in recht kleinen Abständen. Ohne die Beschriftung müsstest du immer vom Papierrand aus arbeiten, das geht natürlich genau so gut. Für mich ist es mit der Beschriftung einfach leichter gewesen und schneller gegangen. 

Messe also deine Punkte aus und übertrage sie dann in das Raster auf deinem Zeichenpapier. 

Nun verbinde die Punkte ganz ähnlich wie in Schritt zwei. Übertrage die Linien die du sehen kannst und die einen Punkt mit dem anderen verbinden. Wenn du irgendwo Schwierigkeiten hast, dann messe dir noch ein, zwei weitere Punkte ab. So verringerst du die Abstände, kannst kürzere Linien zeichnen und wirst genauer. 

Schritt 4: Schatten und Lichter einzeichnen

Fast geschafft. Deine Outline steht und das Gesicht ist eingezeichnet. Doch bevor du mit dem Ausmalen beginnst solltest du dir noch die Schatten und Lichter einzeichnen. 

Dafür gehst du genau so vor wie bei Schritt 2. Schaue, in welchem Kästchen eine Außenlinie des Schattens verläuft und zeichne sie ein. Wiederhole das Ganze für die Lichter.

Jetzt kannst du deinen Schatten auch schon eine ganze leichte Schattierung geben. Je härter dein Bleistift um so besser. Es soll einfach nur eine Orientierung sein. Ich habe diesen Schritt nur bei den ersten Portraits gemacht, es geht auch super ohne.

Nun hast du vermutlich eine Zeichnung, die ein bisschen an einen Totenkopf erinnert. Hervorragend. Dein Grundgerüst steht. Jetzt kommt der Teil, der Spaß macht!

Schritt 5: ausmalen

Da dein Gerüst steht und du alle wichtigen Punkte hast geht es nun ans Ausmalen. Im Grunde genommen ist es wie beim Malen nach Zahlen. Nur das du ersten keine Zahlen mit passender Farbzuordnung hast und zweitens wollen wir das ganze ja auch möglichst weich haben und die Übergänge schön verblenden.

Gut, wo und wie anfangen?

Ich beginne eigentlich immer mit dem linken Auge. als erstes male ich die Pupille aus. Sie ist meistens die dunkelste Stelle im Bild. Ich arbeite mich Schicht für Schicht vor. Heißt, ich gebe nicht direkt die dunkelste Farbe mit dem meisten Druck aufs Papier. Ich male die Pupille aus, dann kommen die Augenlieder, die Schatten. Dann wieder über die Pupille. Zwischendurch verblenden mit einem Papierstift oder Taschentuch. Und wieder eine neue Farbschicht auftragen.

Das klingt jetzt sehr mühselig und langwierig. Ja, ist es zum Teil auch. Aber es ist einfach toll zuzusehen wie das Auge entsteht. Mit jeder neuen Schicht kommt mehr Kontrast und somit mehr Lebendigkeit ins Auge. Jedes Verwischen saftet die harten Kanten ab, die Radierung der Lichtpunkte bringt alles zum Strahlen. Es ist ein Prozess und den zu beobachten macht wirklich Spaß.

Ich glaube, die Profis arbeiten immer mit verschiedenen Bleistiftstärken. Sie legen die erste Schicht mit einem härteren Stift an, dann kommt eine Schicht mit einer mittleren Härte und zum Schluss ein weicher Bleistift wie zum Beispiel B4 oder B6.

Ich habe auch viele Härten, nutze ehrlich gesagt aber nur drei. Ich zeichne möglichst immer mit H3 meine Skizze. Die erste Schicht ist dann in der Regel ein HB Bleistift. Alles andere erarbeite ich mir mit B6 und verschiedenem Druck. Je doller man drückt um so dunkler wird der Strich. Entsprechend kann ich auch mit einem weichen Bleistift die Farbabgabe ganz gut steuern.

Je mehr Schichten du aufträgst und je langsamer du dich vorarbeitest umso genauer wird dein Ergebnis. Ich weiß, dass ist schwierig. Man ist ungeduldig und nach dem dritten Mal hat man auch keine Lust mehr, dass Auge erneut nach zu malen. Aber es lohnt sich. Versprochen!

Portraits zeichnen

Schatten sind Monster

Mir ist klar, dass meine Beschreibung dich nicht zu einem perfekten Portrait führt. Schatten sind Monster. Und Monster lassen sich nicht durch eine knappe Beschreibung in ein paar Absätzen bekämpfen. 

Wichtig ist, dass du darauf achtest, den Kontrast deiner Vorlage möglichst genau zu übernehmen. Sind die Haare auf deinem Druck pechschwarz und quasi nur eine dunkle Fläche? Prima, dann hast du es jetzt leicht und kannst das einfach übernehmen. Die Nasenspitze und Stirn sind an den höchsten Stellen weiß? Alles klar, dann radiere den Bleistift hier weg. 

Kontrast bringt dir Lebendigkeit. Deswegen arbeite hier möglichst präzise. Je besser deine Vorlage ist um so leichter wird dir das fallen.

Und was ist mit den Haaren?

Wenn alles gut gegangen ist, dann hast du jetzt ein recht ansehnliches Portrait gezeichnet. Ein Portrait ohne Haare…

Haare sind so eine Sache für sich. An sich gehst du hier genau so vor wie beim Rest des Bildes auch. Zeichne die Linien der Strähnen ein, achte auf Schatten und Licht. Verwische, radiere, trage mehrere Schichten auf und fertig.

In der Praxis muss ich jedoch sagen: Ich mag Haare nicht.

Mir fällt es noch sehr schwer die Haare richtig zu zeichnen. Ich gehe nach den eben beschriebenen Schritten vor. Wichtig ist natürlich auch, die Haarrichtung zu beachten. Und dennoch, so ganz haut das alles noch nicht hin. 

Aber meine Tipps zu den Haaren werde ich dir gerne in einem neuen Post zusammenfassen. Auch werde ich noch einmal separat auf das Schattieren eingehen.

Portrait zeichnen

Übung macht den Meister

Ich habe nun schon einige Portraits gezeichnet und mit jedem Mal wird es leichter und ich traue mir neue Dinge zu. Zum Beispiel kannst du irgendwann aufhören abzumessen weil du ein besseres Auge für Formen und Abstände bekommst.

Gerade arbeite ich an einem Portrait bei dem ich sogar das Raster weggelassen habe.Mal sehen ob meine Zeichnung am Ende aussieht wie die Vorlage…

Üben, üben, üben. Das ist der einzige Weg zum perfekten Portrait. Such dir tolle Vorlagen raus (beachte unbedingt das Recht am eigenen Bild und das Urheberrecht der Fotografen!), zum Beispiel Fotos von dir selbst oder von Seiten die lizenzfreie Bilder anbieten wie Pexels und dann leg los.

Und ganz wichtig: Setz dich nicht unter Druck und hab Spaß dabei!



1 thought on “Portraits zeichnen – so geht’s”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.