Intuitives Malen – ein Definitionsversuch

Was ist intuitives Malen? Worauf muss man achten? Wie genau geht das eigentlich? Und braucht man bestimmte Utensilien?

Im ersten Post meiner Minireihe übers intuitive Malen werde ich versuchen, dir mein persönliches Verständnis vom intuitiven Malen näher zu bringen.

Vielleicht wirst du überrascht sein, wie “großzügig” ich dabei mit dem Begriff Intuition bin. Ich möchte dich dennoch bitten, dich einfach einmal auf meine Sichtweise einzulassen.

Was ist intuitives Malen?

Intuitives Malen ist das Malen aus den Gefühlen heraus. Ganz losgelöst von (fast) allen Regeln und Strukturen.

Beim intuitiven Malen geht es vor allem um die eigenen Gefühle, um die Emotionen in uns, die wir während des Malprozesses erforschen, zulassen und ausleben dürfen.

Intuitives Malen ist Entdecken, Geduld, Neugier und Loslassen. Es ist ein sich Öffnen für alles, was da ist und es ist ein Zulassen von allem, was kommen mag, egal ob auf der Leinwand oder in unserem Inneren.

Beim intuitiven Malen verfolgst du (meist) kein klares Ziel. Du musst weder deine Materialen noch irgendwelche Techniken beherrschen. Auch wenn du noch nie einen Pinsel in der Hand gehalten hast, kannst du intuitiv Malen.

Für mich gibt es dabei verschiedene Herangehensweisen, oder Arten, des intuitiven Malens:

Zielorientiertes intuitives Malen

Beim zielorientierten intuitiven Malen habe ich eine grobe (oder sogar etwas genauere) Vorstellung dessen, was ich gerne malen möchte.

Ich hatte zum Beispiel den Plan, ein Bild von einer Insel im Meer zu malen.

Ich hatte also eine konkrete Vorstellung meines Endergebnisses. Für viele ist dies sicherlich kein intuitives Malen und anfangs hätte ich dem auch absolut zugestimmt. Doch dann gab es da diese Idee, dieses Bild welches ich malen wollte und es gab mich. Und ich hab keine Ahnung, wie ich Wasser mit Acrylfarben male. Ich weiß auch nicht genau, wie man Berge malt. Und wie ich all das harmonisch auf meine Leinwand bringen sollte war mir erst recht nicht klar.

Also ließ ich los und begann, mich für den Prozess zu öffnen. Ich wählte die Farben, die mir durch den Kopf gingen, skizzierte grob die Aufteilung und Elemente meines Bildes und begann mich dem Flow des intuitiven Malens hinzugeben.

In meinen Augen kann also auch ein gezieltes Ergebnis mit klarem Motiv durch den Prozess des intuitiven Malens erreicht werden. Letztendlich geht es ja um das Loslassen, um das Vertrauen, um das Spiel.

Auch wenn ich ein Ziel verfolge, so kann ich mich fallen lassen und jeden Pinselstrich rein aus der Intuition heraus malen.

Um den Unterschied zu verdeutlichen: Würde ich mir eine Anleitung zum Malen von Wasser oder Bergen heraussuchen und nach dieser mein Bild gestalten, so würde ich nicht mehr meiner Intuition folgen. Ich hoffe, dadurch wird mein Verständnis etwas klarer…

Zielloses intuitives Malen

Dann gibt es da noch das ziellose intuitive Malen. Hierbei geht man wirklich ohne Plan und Idee vor. Ich denke, dass ist das, was die meisten auch unter intuitivem Malen verstehen würden.

Beim ziellosen intuitiven Malen taucht man absolut in den jetzigen Moment ein. Man kann sich total treiben und von den Farben und den “Eingebungen” leiten lassen. Hier ist so viel Magie vorhanden und die Leinwand kann zu einem spirituellen Abenteuerspielplatz werden.

Die Mischung macht’s

Für mich gibt es eben zwei Arten. Wobei, eigentlich sogar drei. Denn natürlich kann ich auch einer Mischung aus beidem folgen. Dies tat ich zum Beispiel bei meinen beiden Frauen-Bildern. Ich wusste lediglich, dass ich im Zentrum meines Bildes ein Porträt haben wollte. Alles andere entstand einfach während des Malens. Ohne Ziel, ohne Plan, ohne Druck. Ich habe einfach mit allem, was ich an Materialien habe, gespielt…

Dies ist vor allem dann eine perfekte Methode, wenn diese völlige Freiheit zur Überforderung wird.

Eine leere Leinwand zu füllen kann Angst machen. Da kommen Stimmen wie der Perfektionismus und der innere Kritiker oftmals lautstark um die Ecke und schüchtern einen ganz schön ein.

Dei weiße Leinwand ist für mich bisher kein Problem gewesen. Jedoch trieb ich absolut haltlos durch die verschiedenen Schichten und immer wieder übermalte ich alles, was ich zuvor auf die Leinwand brachte. Ich hatte keinen “Anker” und konnte mich irgendwie nicht binden.

Durch das feste Motiv in der Mitte gab ich meinen Bildern einen Rahmen und dies half mir, mich endlich ganz fallen zu lassen.

Das schöne ist ja, beim intuitiven Malen ist alles erlaubt. Das ich eine Frau male heißt nicht, dass es bei dir nicht ein Mond, Baum oder eine Blume sein kann. Und schon gar nicht heißt das, dass dieses Motiv bis zum Ende (unverändert) bestehen muss. Wenn es dich irgendwann stört, dann ändere es, übermale es, oder lass es komplett verschwinden.

Finde deine eigene Art die Leinwand oder das Papier zu deiner Spielwiese zu machen.

Worauf muss man beim intuitiven Malen achten?

Bezüglich des technischen Vorgehens gibt es wenig zu beachten. Im Grunde genommen ist alles erlaubt und man kann sich spielerisch vollkommen austoben und ausprobieren.

Ich achte eigentlich lediglich darauf, möglichst keine warmen und kalten Farben miteinander zu mischen. Denn das gibt leider oftmals einen nicht so ansprechenden Braunton und dies führt zu einer schlammigen, matschigen Optik des Bildes (was natürlich auch seinen Reiz haben kann…).

Ansonsten gibt es nichts, was ich bewusst beachte. Keine Regeln was Formen, Abstände, Proportionen, Winkel, etc. angeht. Ich schaue nicht nach Komplementär- oder Analogfarben. Ich achte auch nicht darauf, welchen Pinsel ich wofür benutze.

Also, was gibt es zu beachten?

Las los!

Vertraue!

Genieße das Spiel!

Intuitives Malen ist Freiheit

Für mich ist intuitives Malen Freiheit. Wenn ich mich an meine Leinwand stelle, dann tauche ich völlig ab. Ich lasse den Alltag für Stunden hinter mir und betrete einen Raum voller Spannung, Liebe und Harmonie.

Im Klang der Musik, die ich stets dabei höre, lasse ich meinen Pinsel frei über die Leinwand tanzen und werde währenddessen immer mal wieder von starken Gefühlswellen überschwappt.

Dann heißt es sich hingeben. Egal ob auf der Leinwand, im Tanz oder auf dem Boden liegend.

Intuitives Malen kann (muss es nicht und es passiert sicherlich auch nicht immer!) zu einer intimen emotionalen Gefühlsfahrt werden und ich kann dir nur ans Herz legen, hierfür offen zu sein und dich auf alles, was in dir passiert, vollkommen einzulassen.

Und bitte, sei nicht enttäuscht wenn du am Anfang einfach nur malst und außer die leicht klebrige Farbe an deinen Händen gar nichts spürst.

Ich habe inzwischen acht Leinwände bemalt. Mache dieser Leinwände haben bereits über zehn Schichten Farbe. Das sind grob überschlagen über 50 Stunden die ich mich mit dem intuitiven Malen jetzt praktisch befasst habe.

Und auch bei mir war es am Anfang einfach nur das Malen. Gepaart mit der Musik hat es mich entspannt und mir unheimlich viel Spaß gemacht. Deswegen bin ich dran geblieben.

Doch diese intensiven Gefühle von denen ich spreche, die kamen bisher tatsächlich nur bei drei Bildern. Das ist ok. Man kann dies eben nicht erzwingen. Man kann nur offen bleiben und versuchen, sich völlig fallen zu lassen.

Jetzt würde mich interessieren: Hast du schon mal ein intuitives Bild gemalt? Oder kannst du dir vorstellen, diese Art des Malens einmal auszuprobieren? Ich würde mich riesig über deine Antwort freuen.

Im nächsten Post erzähle ich dir dann, welche Materialien du zum intuitiven Malen eigentlich so brauchst.

Ich hoffe, dir gefällt die kleine Reihe über dieses Thema und wenn du weitere Fragen hast, dann lass sie mich gerne in den Kommentaren wissen!

Deine Ani


Hier findest du einige Artikel übers intuitive Malen, falls du gerne noch bei anderen vorbeischauen oder bereits tiefer in die Materie eintauchen möchtest:

LonaMisa: Heilsames Malen – Intuitives Malen bei Lona Misa

Dominique Hurley: Your guide to intuitive painting in 5 easy steps

Creative Juices Arts: The intuitive painting practice paint-ifesto

Wholeheart: What is intuitive painting?



6 thoughts on “Intuitives Malen – ein Definitionsversuch”

  • Ich finde ja oft toll, was Du machst. Aber meinst Du nicht, dass Du Dich diesmal etwas weit aus dem Fenster lehnst?
    Ich habe Deine Story bei instagram gesehen. Du sagst, dass Du Dich mehr als 50 Stunden praktisch mit kreativem Malen beschäftigt hast. Das ist in meinen Augen noch nicht einmal an der Oberfläche gekratzt.

    Stell Dir mal vor, dir würde jemand sagen: “Ich habe 50 Stunden Gitarre gelernt, deshalb bringe ich das jetzt anderen bei” oder “Ich habe 50 Stunden eine Sprache gesprochen – jetzt fühle ich mich als Sprachlehrer”. Das hört sich seltsam an, oder?
    Genauso seltsam hört es sich an, wenn jemand sich 50 Stunden (also de facto eine einzige Arbeitswoche) mit einer Kunstform beschäftigt hat und nun versucht dies neu zu definieren und es anderen beizubringen. In meinen Augen braucht man dafür erst einmal die nötige Erfahrung, die weit, weit über das hinaus geht, was Du bislang auf diesem Gebiet an Erfahrungen gesammelt und geleistet hast.

    Sorry, aber das ist meine Meinung. Bleib aber weiter am Ball und baue Deine Fertigkeiten und Erfahrungen aus, damit Du in Zukunft vielleicht wirklich mal an den Punkt kommst, an dem Du Dich selbst heute schon siehst.
    Viel Erfolg! Liebe Grüße Kreativschnuckel.

    • Hallo Kreativschnuckel!

      Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich freue mich, dass du dir die Zeit genommen und meine Story und meinen Post angesehen hast. Schade, dass du für dich dieses mal scheinbar nichts mitnehmen konntest. Dass ich eine andere Meinung zum Thema “ab wann darf oder sollte man seine Erfahrungen teilen” habe, ist vermutlich klar. Auch das Schreiben über meine Erfahrungen in diesem Bereich ist neu für mich und sicherlich muss ich auch hier noch was dazu lernen, so werde ich die Tage noch mal ein paar Links zu anderen Artikeln über das intuitive Malen einpflegen.

      Vielleicht ist in den kommenden Post ja dennoch etwas dabei, dass du für dich mitnehmen kannst 🙂

      Danke dir,
      Angela

  • Liebe Angela, danke dir für diesen Beitrag. Ich verfolg schon länger deine intuitiven Malprozesse auf Instagram und werd immer neugieriger drauf es auch mal auszuprobieren. Und das obwohl ich eigentlich ein sehr kontrollierter Mensch bin, der immer einen ganz genauen Plan braucht und schwer loslassen kann. Lg Chrissi

    • Hallo Chrissi,

      herzlichen Dank für deine Worte! <3

      Vielleicht ist diese Art des Malens dann für dich ja umso spannender, probier es auf jeden Fall mal aus!

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